Freitag, 2. September 2016

Rechts oder Links


16.8 internationaler Linkshändertag
Heute am Freutag hab ich für euch was zum Thema Linkshändigkeit.

Ich bin Mutter von zwei linkshändig begabten Kindern. Ich selber bin Rechtshänder.

Das klingt jetzt nicht aufregend - ist es aber. Ich muss meine Kinder nämlich umlernen. Ihr werdet jetzt sagen: das macht man doch nicht mehr. Stimmt. Aber bei uns ist das anders. Aber alles der Reihe nach.


Ich saß im Dezember beim Elternsprechtag vor der Pädagogin und der Stützlehrerin. Mir wurde gesagt, dass mein Kind anscheinend Dyskalkulie (Rechenschwäche) hat und dementsprechend zu fördern sei. Na wunderbar, mein Kindheitstrauma warf mich halb vom Stuhl - hatte ich doch vom ersten bis zum letzten Tag meiner Ausbildung nur Probleme. Ich hab tatsächlich geweint. So fertig war ich. Ich sah meinen Sohn schon in der ersten Klasse Volksschule sitzen bleiben.

Ich bin ja lösungsorientiert und ich war tief in mir überzeugt - das kann nicht sein. Mein Sohn hatte sich in seinem freien Spiel viel mit mathematischen Themen auseinandergesetzt. Ich habe viel Montessoriematerial eingebaut und er hatte sicher keine Dyskalkulie. Das gab es nicht in meiner Welt und wie ich mein Kind kannte.

Gut wir redeten darüber, relativ schnell kam ich zum Thema: mein Kind hatte viele Dinge bis zum Schuleintritt links gemacht und wie das so ist, sagt jeder: er wird sich schon für die richtige Hand entscheiden. Das erweckte aber das Interesse der Stützlehrerin, die mir riet ihn austesten zu lassen. Ich bekam gleich Unterlagen und eine Adresse, wo ich mich hinwenden soll.


3 Wochen später war die Testung bei Andrea Hayek-Schwarz. Schon die Anamnese zeigte - er ist ein eindeutige Linkshänder. Die Testung selber, die ca. 1,5 Stunden dauerte, hätten man sich sparen können. Das hab sogar ich gemerkt - Körperhaltung, Mimik. Wenn er im Fluss war spielte er mit links, nahm die Stifte in die Linke Hand ....


Somit war es klar, wir lernen um. Schon das anschließende Gespräch war für meine Sohn so befreiend, dass er jetzt nur noch mit links spielte, das Besteck anders verwendete und die alltäglichen Abläufe auch mit der linken Hand bewältigte - ohne zu überlegen oder umlernen. Ich war fasziniert.


Was vor allem auffällig war: er zog sich nicht mehr mit der linken Hand am Leiberl. Das war vom ersten Schultag an sein Tick und so schlimm, dass die T-Shirts alle am Hals ausgeleiert waren.

Von was Sohnemann gar nicht begeistert war - mit links schreiben. Seit einem halben Jahr kämpfen wir jetzt damit, dass er links schreibt. Leider sieht er selber nicht den Erfolg. Die Konzentration ist, wenn er links schreibt eindeutig besser. Er erledigt Aufgaben viel schneller und ist kein Träumerlein. Wenn er rechts schreibt, läßt er sich sofort ablenken und braucht ständig eine Erinnerung zum Weitermachen. Seufz. Ich gebe noch nicht auf, da liegt so viel Potential begraben. Wir sind zumindest inzwischen bei halbe/halbe Aufgabe mit links zu schreiben.

Mathematik war, obwohl er nicht umgestiegen ist auf Links, sondern nur die Alltagshandlungen umgestellt hat, nach 7 Wochen erledigt. Da brachte er mir den ersten Test mit 0 Fehler nach Hause. Inzwischen ist er Zweitbester in der Klasse und mächtig stolz. Er rechnet schon über den Tausender, kann im Geschäft gut Preise vergleichen und das 1x1 ist auch kein Problem. Ein Wahnsinn was sich da getan hat.


Alles in allem hat es sich gelohnt, auch wenn er sich weigert komplett linkshändig zu schreiben. Die Schule macht extrem Spaß und er ist ein sehr lernfreudiges Kind. Auch wenn er immer cool tut, er merkt sich sehr viel und sieht Zusammenhänge. In dem halben Jahr hat sich seine Welt total geändert und er denkt viel weiter und kann vor allem gut Argumentieren. Was das ausmacht, wenn man die richtigen Seiten des Hirns nach der Bestimmung nutzt.

Auch mein zweites Kind muss ich umlernen. Das Tochterkind ist ebenfalls nicht überzeugt, das Links besser ist. Der große Vorteil ist jedoch, das wir schon vor der Schule dies erkannt haben und schon üben konnten.


In diesem Sinne: denkt darüber nach, wenn ihr zu einem Kind sagt "die schöne Hand geben" oder "das Besteck nimmt man in die andere Hand" oder "immer mit der rechten Hand schreiben" - nein es ist nicht wahr, für manche Kinder ist es genau umgekehrt und wer seinem Kind eine Zukunft geben will, in der die ganze Persönlichkeit sich voll entfalten kann, schaut genau hin, welche Hand das Leben des Kindes dominiert.

Fotocredit: Rebecca Evita Hayek
Am 16.8 war internationaler Linkshändertag, der vom Verein "Linke-Hand" gebührend gefeiert wurde. Meine Zwei waren ganz begeistert und ich hoffe, das überträgt sich auch auf die Schule.


Damit freu ich mich auf ein spannendes Schuljahr mit zwei schulpflichtigen Kindern, die eine Besonderheit haben - sie sind linkshändig begabt und können beide Hände nutzen. Das Schuljahr 2016/17 machen wir dann mal mit Links!


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Kommentare:

  1. Hallo Martina,

    ich bin ja der Meinung das die Lehrer sich heute zu schnell in irgendwelche angeblichen Schwäschen der Kinder retten. Statt sich wirklich mit den Kindern auseinanderzusetzten um zu sehen woran es wirklich liegt. Ich wünsche dir und deinen Kinder noch viel Spaß mit der richtigen Hand. :)

    Liebe Grüße die Nähbegeisterte

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  2. Ich bin über 40 Jahre und durfte/müsste lt Lehrerin damals links schreiben lernen. Wäre eines meiner drei Kinder auch Linkshänder, so hätte ich sie gewähren lassen ...
    Danke für deinen Post, ich finde es toll, dass ihr euren Kindern Linkshänder sein lässt
    LG aus Bayern Margit

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