Freitag, 20. Januar 2017

Linkshändig begabt - Update

Meine Kinder sind beide linkshändig begabt. Leider haben wir das lange nicht berücksichtigt.  Man sagt ja immer - die Kinder entscheiden sich schon von selbst. Ja das stimmt, aber es wird dann tragisch wenn sie sich durch die ihnen eingetrichterten Glaubenssätze der Umgebung für die falsche Hand entscheiden. Bei uns ist das so.

In der Schule kommt das relativ rasch zum Tragen und habe ich hier schon mal beschrieben. Jetzt gibt es ein Update. Wir sind noch immer auf dem Weg. Dieser hat sich aber entscheidend verändert und ich bin ein wenig entspannter. Aber alles der Reihe nach.

Fast vor einem Jahr waren wir bei Andrea Hayek-Schwarz - der grauen Eminenz bei der Linkshänderberatung - austesten. Das Ergebnis war eindeutig.


Ein Jahr, tausende Taktikversuche, viele Wörter und Auseinandersetzungen später, sehe ich Veränderung. Vor einigen Wochen habe ich nochmals mit Fr. Hayek-Schwarz Kontakt aufgenommen, weil sich mein Kind weiterhin weigerte links zu schreiben. Er sah zwar selbst den Vorteil und machte alle Alltagshandlungen links - nur in der Schule erst recht(s) nicht. Mich trösteten die Wort, dass auch eine Tochter von Fr. Hayek-Schwarz nicht umgelernt hat. Einfach loslassen und hinnehmen was nicht veränderbar ist. Auch wenn es weh tut, dass man die Plage der Kinder sieht.

Anscheinend hat mich das entspannt. Zu Weihnachten gab es von der Lehrerin ein Lernübungsheft und das Füllerdiplom musste fertig gestellt werden. Füllfeder hatten wir schon lange, das haben wir mit der Beratung gleich ausgetestet. Da diese eine für linkshändig begabte Kinder ist, blieb ihm fast nichts anderes übrig, als mit der linken Hand zu schreiben. In den Weihnachtsferien wurde ich vom Sohnemann zu diesem Thema durchlöchert. Tausende Fragen galt es zu beantworten. Das machte ich geduldig ohne daran zu denken, dass sich was ändern konnte.

Noch vor den Ferien trat die Lehrerin mit mir in Kontakt und wollte weiterhin am Thema bleiben und gerade durch die Füllfeder das Links schreiben einfordern. Sie hat mich auch das ganze Jahr hindurch unterstützt und war davon überzeugt, dass wir mit dem Bleistift keinen Erfolg haben werden aber mit der Füllfeder.

Was soll ich dazu sagen, es ist so. Nach den Ferien ist links schreiben kein Thema mehr. Er macht es einfach, von sich aus ohne aufgefordert zu werden. Buntstift und Bleistift weiterhin rechts, aber die Füllfeder mit links.


Ein voller Erfolg. Die Lehrerin und ich sind happy. Vor allem die Lehrerin, die schon einige Dienstjahre hinter sich hat und noch nie so einen Fall in der Klasse begleitet hat. Wieder eine Person mehr die dieses Thema sensibel angeht.

Wir sind wirklich glücklich und haben gesehen, dass es nur gemeinsam gehen kann. Das ein schnelles klein beigeben keinen Sinn macht und gewisse Dinge ihre Zeit brauchen um zu reifen. Am Thema zu bleiben, aber zu warten bis der Erfolg kommt kann hart sein und lange dauern. Aber es lohnt sich für alle Beteiligten.


Von Tag zu Tag wird das Schriftbild schöner und auch Sohnemann freut sich über den Erfolg. Er sieht was möglich ist, wie schnell die Hausübung geht und die Konzentrationsphasen länger werden. Jetzt geht es darum ob mein Kind wirklich auch Legasthenie hat. Weil bis Dato hätte es auch seine Linkshändigkeit sein können. Auch das werde ich austesten lassen, um nichts zu übersehen. Aber das Lesen hat sich in den letzten drei Wochen deutlich verbessert und die Unterscheidung zwischen b und d ist fast zu 100% da. Aber sicher ist sicher.


Ich habe mich auch an die neue Direktorin der Schule gewandt, weil mir in der Klasse meiner Tochter viele linkshändig begabte Kinder aufgefallen sind, die sich das Leben unnötig schwer machen. Und was für ein Zufall, meine Bitte für eine Fortbildung der Lehrer zum Thema ist auf fruchtbaren Boden gefallen, weil - und das wollte das Schicksaal so - die Frau Direktor auch linkshändig begabt ist. Somit wird das hoffentlich die Zukunft der linkshändig begabten Kinder dieser Schule enorm verbessern und dem Thema Raum geben.

So das war es - alle, die in der selben Situation stecken - durchhalten, es lohnt sich. Die Begleitung der Kinder wird durch pure Glücksgefühle belohnt. Ich könnte einen Freudentanz machen.

NEVER GIVE UP!!!!!

verlinkt:

Kommentare:

  1. Das freut mich für Dich, dass Du kleine Erfolge feiern kannst. Durchhalten und Geduld sind so eine Sache. Wäre es nicht schön, wenn man bei Sorgen für 10 Minuten durch ein Guckloch 18 Jahre in die Zukunft schauen könnte? Nur um zu sehen, dass im Groben Alles Gut wird?! *Hach* *lach*

    AntwortenLöschen
  2. Ich fass es nicht! Ich bin jetzt nach 40 Jahren zweieinhalb Jahre draußen und es muss immer noch Fortbildungen zum Thema Händigkeit für Lehrer geben? Das ist doch inzwischen ein alter Hut, oder muss man die Kollegen bei allem mit der Nase drauf stoßen?
    Aber offensichtlich haben deine Kinder schon vor der Schule eine lenkung erfahren?
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
  3. Ja leider, noch immer ein Stiefkind der Pädagogik ... zumindest in Wien. Die Kinder sind halt ständig mit den Sätzen "Schöne Hand gibt man." oder "den Stift haltet man so" "mit der Hand schreibt man" .... konfrontiert. Ich weiß ja woher das kommt und als berufstätige Mutter habe ich mir lange vorwürfe gemacht, weil ich nicht mehr dahinter war, wenn die Kinder fremd betreut sind. Aber ich kann jetzt helfen und das tröstet mich. Wünschen würde ich mir mehr Sensibilität und die müsste schon im Kindergarten sein. Dort beginnt das Drama. lg Martina

    AntwortenLöschen
  4. Das ist urinteressant!
    Ehrlich!
    Gratuliere auf jeden Fall zu dem Durchbruch!

    AntwortenLöschen

Durch´s reden kommen die Leute zusammen! Ich liebe den Austausch und dein Kommentar.